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Nochmal Schriftberatung für eine Diss

Judith Baltsar (2005-05-06 13:57:33)

Hallo allerseits,
ich habe mit Interesse die Diskussion über Michaels Diss und ihr
Layout verfolgt - ich bin derzeit in einer ähnlichen Situation, meine
Diss nähert sich ihrem Ende und irgendwann muss ich mich jetzt an den
Feinschliff machen.

Ich hatte auch mit Garamond angefangen, aber das sah mir zu
"literarisch" aus und ausserdem gefielen mir bei der Monotype Garamond
einige kursive Kleinbuchstaben nicht (z, y, usw., bei einigen Wörtern
hat sich da was ganz furchtbar überschnitten). Jetzt habe ich mich auf
Palatino geeinigt, die sieht (für meinen laienhaften Blick) angemessen
sachlich aus, aber doch erfrischend anders als die Times.

Die Überschriften mache ich bis jetzt auch in der Palatino, bis auf
die alleroberste Ebene (Abschnitte), die stehen aber jeweils auf einer
eigenen Seite mit einem Bild, kommen also nicht in Kontakt mit dem
Fließtext. Zur Garamond hatte ich mal die Gill gewählt und seitdem
noch nichts geändert, wäre aber hier für einen Rat sehr dankbar (also
Groteske passend zur Palatino).

Die Idee von Michael, eine Groteske für die Bildunterschriften zu
nehmen finde ich interessant und würde das eventuell auch mal
durchspielen. Myriad steht mir nicht zur Verfügung - was paßt denn
sonst zur Palatino?

Das vermutlich größte Problem (aus professioneller Sicht) sind
vermutlich meine Grafiken. Zum einen habe ich sehr viel davon, die mir
den Fließtext ziemlich zerpflücken. Zum anderen gefiel mir die übliche
Wahl der Arial für Achsen- und andere Beschriftungen nicht (sieht mir
zu sehr nach Fließtextschrift aus) und ich habe dann für alles die
Verdana genommen (nicht hauen, bitte :-)
Für mich hat die etwas technisch-sachliches und erinnert mich
irgendwie an die ?Schablonen / Plotter? Schriften, die man in älteren
Fachbüchern in solchen Grafiken sieht. Ausserdem kommt die auch noch
klein sehr gut rüber. Also - was sagen die Experten: standrechtlich
erschießen, oder geht das durch? Und wenn es bei der Verdana in
Grafiken denn bleibt, wie dann die Bildunterschriften? In der palatino
wie gehabt (bei 9pt), oder doch was anderes?

Ach ja, ein paar Grunddaten:
Fließtext: Palatino 11pt, bei links & rechts 3,5cm Rand, oben & unten
je 3,0cm, ich schreibe und layoute mit StarOffice (konnte mich nicht
zu LaTeX durchringen, obwohl ich es mal probiert habe).

Schönen Dank schon mal für alle Kommentare
Judith

Poligrafiemann (2005-05-06 15:10:15)

Dirk Bindmann (2005-05-06 15:10:15)

Judith Baltsar schrieb:

> Die Überschriften mache ich bis jetzt auch in der Palatino, bis auf
> die alleroberste Ebene (Abschnitte), die stehen aber jeweils auf einer
> eigenen Seite mit einem Bild, kommen also nicht in Kontakt mit dem
> Fließtext. Zur Garamond hatte ich mal die Gill gewählt und seitdem
> noch nichts geändert, wäre aber hier für einen Rat sehr dankbar (also
> Groteske passend zur Palatino).

Palatino mit Gill ist schon eine gute Wahl. Diese Mischung würde auch
im Fließtext passen.

> Die Idee von Michael, eine Groteske für die Bildunterschriften zu
> nehmen finde ich interessant und würde das eventuell auch mal
> durchspielen. Myriad steht mir nicht zur Verfügung - was paßt denn
> sonst zur Palatino?

Na Gill! Eine dritte Schrift würde ich da nicht noch verwenden.

> Das vermutlich größte Problem (aus professioneller Sicht) sind
> vermutlich meine Grafiken. Zum einen habe ich sehr viel davon, die mir
> den Fließtext ziemlich zerpflücken. Zum anderen gefiel mir die übliche
> Wahl der Arial für Achsen- und andere Beschriftungen nicht (sieht mir
> zu sehr nach Fließtextschrift aus) und ich habe dann für alles die
> Verdana genommen (nicht hauen, bitte :-)

Was spricht gegen Gill?

> Für mich hat die etwas technisch-sachliches und erinnert mich
> irgendwie an die ?Schablonen / Plotter? Schriften, die man in älteren
> Fachbüchern in solchen Grafiken sieht. Ausserdem kommt die auch noch
> klein sehr gut rüber. Also - was sagen die Experten: standrechtlich
> erschießen, oder geht das durch? Und wenn es bei der Verdana in
> Grafiken denn bleibt, wie dann die Bildunterschriften? In der palatino
> wie gehabt (bei 9pt), oder doch was anderes?

Gill oder Palatino. Nur das Prinzip sollte klar sein:
Bildunterschriften müssen sich deutlich vom Fließtext unterscheiden,
üblicherweise vor allem in der Schriftgröße. Die gebräuchliche
Konsultationsgröße ist 7 pt. Wenn die Palatino dafür zu klein ist,
kannst du auch noch einen Punkt zugeben. Der Unterscheidung vom
Fließtext dient auch die Wahl einer anderen Schrift, also Gill, oder
eines anderen Schriftschnittes: Palatino kursiv sähe bestimmt auch
nicht schlecht aus und würde sich deutlich genug abheben ohne
hervorgehoben auszusehen. Letzteres könnte vielleicht bei der Gill
passieren, weil sie doch eine recht kräftige Anmutung besitzt.

> Fließtext: Palatino 11pt, bei links & rechts 3,5cm Rand, oben & unten
> je 3,0cm,

Ohne jetzt in Tschicholdsche Satzspiegelmystik verfallen zu wollen:
ein wichtiges Prinzip dabei heißt: "optische Mitte". Die liegt etwas
höher als die rechnerische Mitte. Daraus ergibt sich, dass der untere
Rand immer (oder in der Regel) größer sein muss als der obere Rand.
Angenommen du wählst für die linken, rechten und oberen Ränder 3,5 cm,
dann könntest du für den unteren Rand 4 cm wählen. Probiere einmal
aus, ob du das so sinnvoll findest.

Herzliche Grüße
Dirk

Stefan Lagotzki (2005-05-06 15:11:54)

Judith Baltsar schrieb:
> Ich hatte auch mit Garamond angefangen, aber das sah mir zu
> "literarisch" aus und ausserdem gefielen mir bei der Monotype Garamond
> einige kursive Kleinbuchstaben nicht (z, y, usw., bei einigen Wörtern
> hat sich da was ganz furchtbar überschnitten). Jetzt habe ich mich auf
> Palatino geeinigt, die sieht (für meinen laienhaften Blick) angemessen
> sachlich aus, aber doch erfrischend anders als die Times.

Welche Palatino verwendest Du?

> Die Überschriften mache ich bis jetzt auch in der Palatino, bis auf
> die alleroberste Ebene (Abschnitte), die stehen aber jeweils auf einer
> eigenen Seite mit einem Bild, kommen also nicht in Kontakt mit dem
> Fließtext. Zur Garamond hatte ich mal die Gill gewählt und seitdem
> noch nichts geändert, wäre aber hier für einen Rat sehr dankbar (also
> Groteske passend zur Palatino).

Man kann durchaus bei der Palaatino (bold und in einer relativ zum Text
passenden Höhe) bleiben. Finde ich nicht schlecht.

> Die Idee von Michael, eine Groteske für die Bildunterschriften zu
> nehmen finde ich interessant und würde das eventuell auch mal
> durchspielen. Myriad steht mir nicht zur Verfügung - was paßt denn
> sonst zur Palatino?

Meiner Meinung nach die Univers (aka ZurichBT-Roman). Aber nachdem
ich las, dass Du Verdana für die graphikinternen Texte verwendet hast,
behalte für die Bildunterschriften doch lieber die Palatino.

> Das vermutlich größte Problem (aus professioneller Sicht) sind
> vermutlich meine Grafiken. Zum einen habe ich sehr viel davon, die mir
> den Fließtext ziemlich zerpflücken. Zum anderen gefiel mir die übliche
> Wahl der Arial für Achsen- und andere Beschriftungen nicht (sieht mir
> zu sehr nach Fließtextschrift aus) und ich habe dann für alles die
> Verdana genommen (nicht hauen, bitte :-)

Vielleicht sagst Du noch mal etwas zum Thema Deiner Dissertation.

> Für mich hat die etwas technisch-sachliches und erinnert mich
> irgendwie an die ?Schablonen / Plotter? Schriften, die man in älteren
> Fachbüchern in solchen Grafiken sieht. Ausserdem kommt die auch noch
> klein sehr gut rüber. Also - was sagen die Experten: standrechtlich
> erschießen, oder geht das durch? Und wenn es bei der Verdana in
> Grafiken denn bleibt, wie dann die Bildunterschriften? In der palatino
> wie gehabt (bei 9pt), oder doch was anderes?

Da wäre meiner Meinung nach die Palatino besser, damit Du keine
weitere Schrift in das Dokument bekommst. Oder Du verwendest eben
konsequent die Verdana weiter :-)

> Ach ja, ein paar Grunddaten:
> Fließtext: Palatino 11pt, bei links & rechts 3,5cm Rand, oben & unten
> je 3,0cm, ich schreibe und layoute mit StarOffice (konnte mich nicht
> zu LaTeX durchringen, obwohl ich es mal probiert habe).

Ist das ein doppelseitig gesetztes Buch? Dann kämen mir diese Ränder
etwas merkwürdig vor. Es ist auch nicht üblich, oben und unten gleich
viel Rand zu lassen.

Stefan

.

Ralph Aichinger (2005-05-06 13:24:41)

Judith Baltsar wrote:
> durchspielen. Myriad steht mir nicht zur Verfügung - was paßt denn
> sonst zur Palatino?

Die Myriad ist im Acrobat Reader enthalten bzw. auch in
allen halbwegs aktuellen Versionen von Photoshop (auch
der "light"-Version).

In älteren Versionen ist IIRC die Postscript-Type 1
Version dabei, in der aktuellen die Opentype.

IANAL, ich kann mir aber nicht vorstellen, daß es ein
arges rechtliches Problem ist, die Schrift aus dem
Acrobat-Ordner in den Zeichensatz-Ordner zu kopieren.


/ralph
--
Rettet die Wale und stürzt das System, und trennt euren Müll,
denn viel Mist ist nicht schön!"
Gustav, "Rettet die Wale"

Judith Baltsar (2005-05-06 15:50:06)

On Fri, 06 May 2005 15:11:54 +0200, Stefan Lagotzki
wrote:

>> Das vermutlich größte Problem (aus professioneller Sicht) sind
>> vermutlich meine Grafiken. Zum einen habe ich sehr viel davon, die mir
>> den Fließtext ziemlich zerpflücken. Zum anderen gefiel mir die übliche
>> Wahl der Arial für Achsen- und andere Beschriftungen nicht (sieht mir
>> zu sehr nach Fließtextschrift aus) und ich habe dann für alles die
>> Verdana genommen (nicht hauen, bitte :-)
>
>Vielleicht sagst Du noch mal etwas zum Thema Deiner Dissertation.
>
Vegetationskunde/Ökologie; das heißt, ich habe zum einen eine ganze
Reihe Skizzen für Versuchsanordnungen etc, aber noch viel mehr Punkt-,
Linien- und Balkengrafiken zur Statistik


>> Ach ja, ein paar Grunddaten:
>> Fließtext: Palatino 11pt, bei links & rechts 3,5cm Rand, oben & unten
>> je 3,0cm, ich schreibe und layoute mit StarOffice (konnte mich nicht
>> zu LaTeX durchringen, obwohl ich es mal probiert habe).
>
>Ist das ein doppelseitig gesetztes Buch? Dann kämen mir diese Ränder
>etwas merkwürdig vor. Es ist auch nicht üblich, oben und unten gleich
>viel Rand zu lassen.

Es wird vermutlich doppelseitig werden. Ich habe aber ziemlich viele
Tabellen mit Überbreite, für die ich das Seitenformat auf quer
umstelle; da ist jetzt noch garnicht klar, was linke und was rechte
Seite wird und automatisch geht da auch nix - ich mach das ganz am
Ende, wenn das Seitenlayout komplett ist.

Die Schriften lasse ich wohl eher so - scheint ja zumindest nicht ganz
daneben zu sein. Offene Fragen sind dann noch der Seitenspiegel und
der Zeilenabstand (habe bisher standardmässig einfach, das scheint mir
bisher auch nicht zu eng). Ein weiterer Punkt bei Michael war ja die
Breite der Bildunterschriften: meine Grafiken reichen von voller
Seitenbreite bis unter halber Seitenbreite. Ich habe bis jetzt
standardmässig die gleiche Breite wie die Grafik genommen. Bei ganz
schmalen Grafiken muss ich eh noch überlegen, ob ich die umfliessen
lasse, oder ob ich die allein auf die volle Breite stelle (auf
2-spaltig umzustellen scheint mir jetzt zu aufwändig).

Schönen Dank schon mal an alle für die prompten Antworten
Judith

"Robert M. Franz (RMF)" (2005-05-06 15:59:50)

Hallo Judith

Judith Baltsar wrote:
> Vegetationskunde/Ökologie; das heißt, ich habe zum einen eine ganze
> Reihe Skizzen für Versuchsanordnungen etc, aber noch viel mehr Punkt-,
> Linien- und Balkengrafiken zur Statistik

Womit erstellst du diese Grafiken (und auch die Diss, wenn wir schon
dabei sind :-))?

Gruss
Robert
--
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dieter@stockert-mangels.de (Dieter Stockert) (2005-05-06 16:38:05)

Judith Baltsar wrote:

> Es wird vermutlich doppelseitig werden. Ich habe aber ziemlich viele
> Tabellen mit Überbreite, für die ich das Seitenformat auf quer
> umstelle

Autsch. Ich hasse Drucksachen, die ich bei Lesen drehen muß. Versuche
doch die Tabellen so aufzubauen, daß sie ungedreht auf die Seite passen
(wenns gut gemacht ist, dürfen sie dann ja sogar den Satzspiegel
sprengen, aber das würde wohl ein richtiges Gestaltungsraster erfordern
und ob man mit Word oder Open Office so etwas vernünftig hinkriegt, wage
ich zu bezweifeln). Eine Frage: Hast Du Dir schon mal überlegt, jemanden
mit dem Satz zu beauftragen, der etwas davon versteht?


> Offene Fragen sind dann noch der Seitenspiegel und der Zeilenabstand (habe
> bisher standardmässig einfach, das scheint mir bisher auch nicht zu eng).

Zeilenabstand auf einfach ist immer gefährlich. Bei jeder Hoch- oder
Tiefstellung, bei Formeln, bei Wörtern in anderer Schrift kann die eine
Zeile dann einen anderen Abstand kriegen als der Rest. Du mußt unbedingt
den Zeilenabstand auf fest stellen.

Jan Welberts (2005-05-06 17:11:00)

Dieter Stockert schrieb:
> Autsch. Ich hasse Drucksachen, die ich bei Lesen drehen muß. Versuche
> doch die Tabellen so aufzubauen, daß sie ungedreht auf die Seite passen
> (wenns gut gemacht ist, dürfen sie dann ja sogar den Satzspiegel
> sprengen, aber das würde wohl ein richtiges Gestaltungsraster erfordern
> und ob man mit Word oder Open Office so etwas vernünftig hinkriegt, wage
> ich zu bezweifeln). Eine Frage: Hast Du Dir schon mal überlegt, jemanden
> mit dem Satz zu beauftragen, der etwas davon versteht?


Find ich nicht. Es gibt nun mal Tabellen die breit sein müssen, und
bevor man mit kleinen und schmalen Schriften und geringen Spaltenbreiten
eine völlig unübersichtliche Tabelle bastelt, lieber quer stellen.

Ganz allgemein zu den Tipps hier. Ich finde, dass einige Vorschläge hier
über Ziel hinausschießen (z.B. Registerhaltigkeit, Kerning einzelner
Buchstaben). Wichtig ist doch der Inhalt, der einigermaßen strukturiert
und übersichtlich rüberkommen muss und das Verwenden einer zuverlässigen
DTP-Software, die über gute Formatvorlagen- und Buchfunktionen verfügt,
und einen nicht durch ständig geänderte Zeilen- und Seitenumbrüche in
den Wahnsinn treibt.

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